„Die Stiftung als Instrument langfristiger Unternehmensplanung unter besonderer Berücksichtigung des Stiftungsvermögens in Krisenzeiten“ – zu dieser Thematik fand am gestrigen Tag eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung statt, zu der die Geschäftsleitung der Dresdner Bank Berlin und die Rechtsanwaltskanzlei Buse Heberer Fromm in das Haus der Commerzbank am Pariser Platz eingeladen hatten und die von 100 interessierten Gästen besucht wurde.
Einführend machten Hans-Kornel Krings, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Dresdner Bank/Comerzbank AG und Professor Dr. Peter Fissenewert, Partner der Kanzlei Buse Heberer Fromm (Berlin), den Wert stabiler Nachfolgeregelungen für Unternehmen, den Erhalt von Arbeitsplätzen und damit für die Gesellschaft deutlich.
Der gemeinsame Expertenvortrag der Rechtsanwälte Dr. Christoph Mecking vom Institut für Stiftungsberatung (Berlin) und Alexander Herbert, Partner der Kanzlei Buse Heberer Fromm (Zürich), zum Thema „Die Stiftung in der Unternehmensnachfolge“ stellte anschließend die rechtlichen Grundlagen und verschiedenen Gestaltungsformen einer Stiftung für Zwecke der Unternehmensnachfolge dar, zeigte die besonderen Chancen und Risiken auf und thematisierte die neue Gestaltungsidee einer sogenannten „Management-Buy-Out-Stiftung“. Dr. Mecking, soeben vom Handelsblatt erneut durch Berufung in die „Elite der Stiftungsexperten“ ausgezeichnet, machte deutlich, wie mit diesem Modell Unternehmensnachfolgen organisiert werden können, bei dem der Unternehmer besonderes Interesse an der Perpetuierung seines Lebenswerks und gleichzeitig einer Förderung gemeinnütziger Zwecke hat und einem potentiellen Nachfolger das notwendige Kapital für einen direkten Kauf fehlt.
Schließlich präsentierte Marc Bausen, Portfolio Manager der Dresdner Bank (Frankfurt am Main) Möglichkeiten geschickter Vermögensanlagen von Stiftungen in Krisenzeiten. Dabei wurde u. a. deutlich, dass die eher auf Sicherheit bedachte Anlagepolitik deutscher Stiftungen aufgrund unterschiedlicher rechtlicher Rahmenbedingungen dem renditeorientierten Anlageverhalten in den USA diametral entgegensteht. Deutlich wurde auch, dass mit der in der Praxis ganz üblichen Übergewichtung von Renten das Kapitalerhaltungsziel einer Stiftung real auch bei Bildung der Leistungserhaltungsrücklage nicht erreicht werden kann.
Die anschließende Podiumsdiskussion gab zunächst Dr. Christian Kube, Vorstand der Becker+Kries Familienstiftung (Berlin), Gelegenheit, aus der Praxis den Wert einer langfristig vorbereiteten Stiftungslösung zu erläutern. Er stellte dabei besonders die Kontinuität, die langfristige Denkweise und den konservativen, nachhaltig angelegten Ansatz der Unternehmensführung heraus. Erfolgsfaktor sei eine durchdachte Struktur der Entscheidungsorgane und das dadurch ermöglichte Zusammenspiel der Organmitglieder. Über die Einbeziehung eines Familienrats bleibe auch die Mission eines Familienunternehmens lebendig.
Dr. Ulrich Heide, Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung (Bonn), stellte die Wirkungsweise einer gemeinnützigen Stiftung vor, die angesichts stagnierender Spendenaufkommen und rückläufiger staatlicher Zuschüsse die notwendigen Einnahmen nur durch unternehmerische Aktivitäten erzielen könne. Hier mache das auf das Instrument der Schenkung ausgerichtete Gemeinnützigkeitssteuerrecht erhebliche Gestaltungsschwierigkeiten. Insgesamt zeigte sich, dass die Stiftung, ob in gemeinnütziger und privatnütziger Ausrichtung, in vielen Zusammenhängen ein geeigneter Gestaltungsansatz für die Verwirklichung persönlicher und wirtschaftlicher Ziele sein kann. Fachkundige Beratung sollte aber angesichts zerklüfteter rechtlicher Grundlagen und der dauerhaften Existenz einer Stiftung eingeholt werden.
Die Teilnehmer ergriffen an dieser Stelle die Chance, Dr. Mecking einmal detaillierter zu den Möglichkeiten und Herausforderungen der Management-Buy-Out-Stiftung zu befragen. Deutlich wurde der Unterschied zu einem Optionsmodell besonders in den Fällen, in denen der Unternehmer keine nahen Erben vorgesehen hat. Auch die unbestimmten Rechtsbegriffe im Zusammenhang mit der Stifterrente fanden die Aufmerksamkeit der Teilnehmer.
Insgesamt lobten die Teilnehmer den Event als eine in der Sache konzentrierte, praxisorientierte Veranstaltung, die ihre Impulse für gelungene Unternehmensnachfolgen unter Einbeziehung der Stiftungsform nicht verfehlen sollte.
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